Benediktinermönch erhält Auszeichnung zum „Theologen des Landes“

Der Theologe, Autor, Musiker und Benediktiner-Mönch Thomas Quartier aus Kranenburg veröffentlicht im Frühjahr 2022 sein erstes Buch beim Vier-Türme-Verlag. Kürzlich wurde ihm in den Niederlanden die Auszeichnung „Theologe des Vaterlandes“ verliehen.

Der Benediktinermönch Thomas Quartier lebt in der Abtei Keizersberg, einem Benediktinerkloster in Leuven. Er ist Theologieprofessor an den Universitäten in Nijmengen sowie Leuven, Autor zahlreicher Bücher und Aufsätze, Redner und Performer. Thomas Quartier lebt eine weltoffene, vielseitige Theologie und wurde sicherlich auch aus diesem Grund in den Niederlanden mit der Auszeichnung „Theoloog des Vaderlands“ (Theologe des Vaterlandes) geehrt. Eine Jury aus Mitgliedern aller theologischen Fakultäten in den Niederlanden sowie dortige Vertreter von Zeitungen und Fernsehsendern übergaben Thomas Quartier mit der Ehrung für ein Jahr lang die Rolle eines theologisch präsenten Botschafters und Ansprechpartner für die Medien. Für die Ehrung erhält er außerdem ein projektgebundenes Preisgeld von 10.000 Euro. Mit dem Geld möchte er „Prophetenstimmen“ finanzieren – ein Projekt, das Theaterabende über biblische Propheten entwickelt.

Auch für den Vier-Türme-Verlag hat sich Br. Thomas Quartier entfernt mit Theaterwissenschaften auseinandergesetzt, nämlich für die Veröffentlichung seines neuen Buches im Frühjahresprogramm 2022. Im Titel „Bleiben. Umarmen, was man sich nicht ausgesucht hat“ zeigt der Autor durch verschiedene Klosterstorys Auswege aus scheinbar ausweglosen Situationen. In einem Interview mit dem Verlag erfahren wir mehr über sein am 24. Januar erscheinendes Buch:

Die Vier vom Vier-Türme-Verlag an: Thomas Quartier

1. Verlag: Wie sind Sie auf die Idee gekommen, ein Buch mit Klosterstories darin zu schreiben?

Thomas Quartier: Wenn man etwas von dem teilen will, was Klosterleben heute bedeuten kann, lässt sich manches nicht leicht in Worte fassen. Die Verlockung ist groß, einen Ratgeber zu schreiben, wie man die klösterliche Weisheit ins eigene Leben übertragen kann. Leider ist es aber oft nicht so einfach. Heutige Mönche und Nonnen sind genauso Menschen ihrer Zeit – mit ihren eigenen Krisen und Zweifeln – wie jeder andere auch. Mir war es ein Bedürfnis, die eigene Kreativität der Leser anzuregen, und das geht am besten erzählend. Denn Geschichten haben mir schon als Kind oft mehr gesagt als kluge Erörterungen. Ich habe als Theologe und Autor schon mit verschiedenen Formen gearbeitet – Kurzgeschichten waren bis jetzt noch nicht dabei, und mir sind auch kaum Beispiele bekannt. So ist das neue Buch ein Experiment: wie kann ich in meiner eigenen Kreativität Charaktere zeigen, die jede/r sein könnte? Was können diese Charaktere sagen? Dem habe ich dann jeweils einige Gedanken hinzugefügt.

2. Verlag: Sie sind als Mönch, Buchautor, Redner, Performer und Theologieprofessor in den letzten Jahren zahlreichen Menschen begegnet, die Ihnen von ihrem Weg durch schwierige Zeiten erzählt haben. Hat sich Ihre Meinung in Hinblick auf den Umgang mit scheinbar ausweglosen Situationen dadurch geändert?

Thomas Quartier: Ich habe vor allem gelernt, dass es keine Patentrezepte gibt, auch nicht im Kloster. Wohl gibt es eine Art Grundhaltung, die ich als wichtigste Klostertugend erkannt habe: eben zu bleiben und in Krisen nicht wegzurennen. Das erfordert keine Kadaverdisziplin, sondern den Mut, die Spannung zwischen einem Leben, das uns immer mehr Flexibilität abverlangt, und dem Bedürfnis nach Stabilität auszuhalten. Die Menschen, die mir begegnet sind und die mich zu diesem Buch inspiriert haben, sind zum Teil aus ihrem gewohnten Rahmen ausgebrochen, weggegangen, auch aus dem Kloster. Aber auch das kann eine Form sein, wie man bleibt. Denn letztlich geht es darum, seinem eigenen Verlangen zu folgen. Religiöse Menschen werden dabei Gott in ihrem Leben erfahren, Menschen, die nicht ausdrücklich religiös sind, ein offenes Ende ihres Verlangens. Immer geht es um einen letzten Horizont, der uns vermuten lässt, dass es gut ist, uns jeder Krise zu stellen. Das meine ich mit „umarmen, was man sich nicht ausgesucht hat“. In dem Sinne sind alle Menschen, die dem Buch zugrunde liegen, zutiefst spirituell. In den Geschichten beschreibe ich sie auch nicht als Tatsachenbericht, eher als Prototypen im Lichte der Bibel, der Benediktsregel oder anderer Quellen.

3. Verlag: Wie kann uns „Demut“ dabei helfen, schwierige Situationen zu überwinden?

Thomas Quartier: Demut ist ein Begriff, der leider oft missverstanden wird, auch im Kloster. Dann scheint es darum zu gehen, dass man sich selber nicht mehr ernstnehmen sollte und sich immer nur unterordnet. Das kann zu einer Art blindem Gehorsam führen. Wir leben aber in einer Zeit, in der die eigene Verantwortung zurecht großgeschrieben wird. Daher ist Demut für mich auch das Gegenteil von Duckmäuserei. Sie bedeutet, sich nicht permanent mit anderen zu vergleichen, sondern gerade die eigene Verantwortung zu entdecken und zu übernehmen. Oft neigen Menschen dazu, in schwierigen Situationen unter dem Deckmantel der Demut den einfachsten Weg zu wählen. ‚Andere machen das doch auch so‘. Wirklich demütig ist, wer auch schwierige Situationen zulässt und dann die Offenheit und Gelassenheit aufbringt, zu tun, was dem eigenen Leben entspricht. Klosterspiritualität kann dabei eine Hilfe sein.

4. Verlag: Die Corona-Pandemie hat viele von uns gezwungen, still zu werden und Stille auszuhalten. Wie kann es zum Segen werden, mit sich allein zu sein? Wie können wir innere Ruhe finden?

Thomas Quartier: Die Krise der letzten zwei Jahre hat uns allen viel abverlangt und viel Leid in die Welt gebracht, das sollte man nicht verharmlosen. Viele Menschen haben hart daran gearbeitet, notwendige Maßnahmen zu ergreifen. Uns als Mönche und Nonnen hat die Pandemie praktisch gesehen vielleicht am wenigsten betroffen, denn wir leben – wenn man so will – in einer Art ‚permanentem Lockdown‘Ich habe viele Menschen getroffen, die mir auch davon berichtet haben, dass sie sich durch die Krise wieder viel mehr auf das Wesentliche konzentriert haben. Was ist wirklich entscheidend? Wie kann ich mit Bedeutung aufladen, was ich mir nicht ausgesucht habe? Dabei ist es vor allem wichtig, eine gesunde Struktur im Leben aufrechtzuerhalten. Das Modell des Stundengebets im Kloster ist dafür ein interessantes Modell. Aber auch, was man vermisst, kann einem umso teurer werden. Krise bedeutet wörtlich Unterscheidung. Diese Unterscheidung der Geister ist in mancher erhitzten Diskussion leider ein wenig untergangen. Ich würde mir wünschen, dass die Haltung des „Bleibens“ uns auch als Gesellschaft wieder gemeinsam nach Sinn suchen lässt.

Verlag: Br. Thomas, was möchten Sie Ihren LeserInnen unbedingt mit auf den Weg geben?

Thomas Quartier: Ich würde mir wünschen, dass LeserInnen eine immer größere Offenheit in ihrem Leben entwickeln, und zwar für alles, was ihnen begegnet. Alles kann die Chance bieten, immer näher zu sich selbst zu finden. Wenn das gelingt, kann man auch für andere Menschen da sein. Das ist etwas Heiliges, und das nennen wir Mönche die „Suche nach Gott“. Ich wünsche allen LeserInnen, dass sie immer mehr zu Suchenden werden. Wenn meine Geschichten dazu einen kleinen Beitrag leisten würden, wäre ich dafür sehr dankbar.

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